15. August 2008
Ein Pensionär mit Full-Time-Job
Peter Jehle zieht an vielen Strippen
 
Ein Mann und der Ball: Peter Jehle.
(FOTO: UDO KÜNSTER)
Von unserem Redakteur Uwe Schwerer

HANDBALL. Es ist ein bescheidener, fast trockener Satz, der am Anfang steht: "Vor drei Jahren ist die Idee zum Schwarzwald-Bäder-Cup geboren worden." Peter Jehle könnte auch sagen: "Ich liebe den Handball und habe eine Idee entwickelt, um mit dem Wettbewerb den Spitzenhandball in Südbaden zu den Leuten zu bringen." Doch so etwas Ähnliches sagt er erst nach konkreten Nachfragen. Ohne ihn gäbe es den Schwarzwald-Bäder-Cup, der dieser Tage seine zweite Auflage erlebt, nicht. Jehle verweist aber stets auf seine fleißigen Helfer und übt sich in vornehmer Zurückhaltung. Dabei ist der 56-Jährige mittlerweile im hiesigen Handball fast omnipräsent. So stellt er seinen Sachverstand auch der Handballregion Ortenau als Vorsitzender des Beirats zur Verfügung. Das ist keine Aufgabe, die man nebenher erledigen kann. "Ein Fulltime-Job" , sagt Jehle und lacht. "Ich sitze jeden Tag im Büro der HRO" .

"Er ist ein Hansdampf in allen Gassen des Handballs" .
Kurt Hochstuhl über Peter Jehle

Dass der gebürtige Zunsweierer ausreichend Zeit findet, um sich seiner sportlichen Leidenschaft zu widmen, hat auch mit einem Bruch in der beruflichen Vita zu tun. Im Dezember 2007 wurde er als Bürgermeister der Gemeinde Münstertal abgewählt — nach zwei Amtsperioden und 16 Jahren. "So ist nun mal die Lokalpolitik. In Baden-Württemberg gibt es bei den Bürgermeisterwahlen eine Abwahlquote von 35 bis 40 Prozent. Da spielen oft persönliche Gründe eine Rolle" , meint er achselzuckend. Er hat diese Niederlage abgehakt. Seine korrekte Berufsbezeichnung ist nun Bürgermeister außer Dienst. Nur weil er seinen umfangreichen Amtsgeschäften nun nicht mehr nachgeht, kann er sich mit solcher Vehemenz in ehrenamtlicher Tätigkeit für das Spiel mit dem kompakten Ball einsetzen. "Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich Pensionär bin" , sagt er und lacht schon wieder. "Die Stunden darf man nicht rechnen" , schiebt er nach und schüttelt den Kopf. Trotz dieser beruflichen Entwicklung wohnt er nach wie vor in Münstertal. Aber da er permanent unterwegs ist, vor allem in seiner Ortenauer Heimat, hat er eine Schlafstelle in Zunsweier, die er nicht selten nutzen muss, wenn es abends wieder einmal spät geworden ist.

"Ich glaube, wir haben keinen schlechten Job gemacht" .
Jehle über das Gespann Jehle/Muser

Einer, der die Tatkraft Jehles zu schätzen weiß, ist Kurt Hochstuhl, der Präsident des Südbadischen Handballverbandes: "Er ist ein Hansdampf in allen Gassen des Handballs." Ein bedeutender Spieler war Jehle indes nie, was er selbst sofort einräumt. Erst mit 15 Jahren entdeckte er den rasanten Sport am Offenburger Schiller-Gymnasium. Zusammen mit anderen Schülern aus seinem Heimatort begründeten sie daraufhin ein Jugendteam beim SV Zunsweier. Er erinnert sich noch an Spiele auf dem Großfeld in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, an den "legendären Trainer Sepp Geier" und daran, dass er sich danach in der Bezirksklasse die Bezeichnung Bankdrücker erwarb. Der Verein musste nebenbei auch seine Schiedsrichterquote erfüllen. Jehle erinnert sich lächelnd: " Man hat mir gesagt, das kannst du ruhig machen, das ist vielleicht einmal im Monat."

Aus diesen beiläufigen Anfängen wurde eine veritable Karriere. Seinen guten Namen hat er sich als Bundesliga-Schiedsrichter an der Seite von Roland Muser aus Willstätt verdient: Fünf Jahre in der ersten und acht Jahre in der zweiten Bundesliga. Als er die Pfeife im Jahr 2001 zur Seite legte, wechselte er die Position und trat von da an bis zum Ende der vergangenen Saison als Schiedsrichter-Beobachter auf. In dieser Zeit hat er jene Kontakte geknüpft, von denen der hiesige Handball heute profitiert — sei es der Schwarzwald-Bäder-Cup oder die HRO. Was er nicht sagt: Teams wie der TV Großwallstadt stehen nur deswegen beim Turnier in Südbaden auf dem Parkett, weil Jehle sein Gewicht in die Waagschale geworfen hat. Die Qualität des Feldes ist eng mit seinem Wirken verknüpft. "Man hat im Lauf der Jahre viele persönliche Kontakte geknüpft. Jehle/Muser, das ist noch immer ein Begriff in Handball-Deutschland. Ich glaube, wir haben keinen schlechten Job gemacht." Das unterstreicht auch Hochstuhl: "Er war als Schiedsrichter auf dem Spielfeld immer ein ansprechbarer Mensch, der auch zu seinen Fehlern gestanden hat. Er hat immer den Sportgeist walten lassen. Dies hat er bis heute nicht verloren."

Seinen Arbeitsstil will Jehle beibehalten. Der ist aufwendig, aber erfolgreich. "Man muss ständig präsent sein. Diese Erfahrung habe ich als Schiedsrichter gemacht. Ich habe eine Menge Spieler, Manager und Trainer bei Spielen und anderen Anlässen getroffen. Dort wird Politik gemacht." Seine Ziele für die nahe Zukunft nennt er ohne lange nachzudenken: "Der Schwarzwald-Bäder-Cup soll eines der Top-Vorbereitungs-Turniere in Deutschland werden und die HRO soll sich in der ersten Liga etablieren. Dann bin ich 65, und dann höre ich auf" , sagt er lachend und sieht dabei aus, als ob er sich diesen Satz selbst nicht glaubt.